Love, love, love...
Ein Jahr Pause nach dem kurzen Debüt, aber vielleicht wird
es jetzt wieder regelmäßiger, wobei das gar nicht mein Ziel ist. Nach so viel
Feedback ist es gar nicht so leicht, zu entscheiden, über welches Thema ich
schreiben möchte. Oft wurde ich nach dem Thema Liebe gefragt. Liebe, WOW,
was für ein tolles Thema, aber auch anspruchsvoll und tief greifend, dachte
ich. Aber eigentlich ist es doch ganz einfach. Wenn ich über das Thema
Liebe schreibe, kann ich doch niemals allgemein darüber schreiben, kann ich
niemals etwas allgemein Gültiges, Bekanntes schreiben. Denn Liebe ist doch
immer etwas Subjektives. Etwas, das für jeden etwas vollkommen anderes sein
kann. Also kann ich nur darüber schreiben, was es für mich ist, wie ich sie
erlebe, was ich fühle, und dann wird es auf einmal ganz einfach.
Nun, wenn ich an Liebe denke, ist dieser Begriff für mich
immer gleichzusetzen mit der bedingungslosen Liebe. Also der Art von
Liebe, die eine Mutter für ihr Kind hat. Bedingungslos, das heißt für mich
einen Menschen zu lieben ohne, dass dieser bestimmte Bedingungen, Voraussetzungen
oder Anforderungen erfüllen muss. Ich liebe diesen Menschen dann, um seiner
selbst wegen. Nicht auf Grund dessen, was er macht oder eben auch nicht. Da
gehe ich ganz mit der Floskel mit "Es geht um die inneren Werte".
Wobei ich das Wort Werte dabei unpassend finde. Es geht nicht um die inneren
Werte sondern um das innere Sein, dass was ich spüre und sehe wenn ich einem
anderen Menschen in die Augen sehe. Fühle ich mich bei ihm wohl, geborgen,
sicher, geliebt, zuhause, dann liebe ich diesen Menschen. Dann liebe ich
doch was er ist, sein inneres. Was sein Inneres in meinem inneren auslöst. Das,
was dahinter steckt. Nicht die Fassade, aufgebaut aus Handlungen, die gut oder
schlecht sein können.
Darum geht es meiner Meinung nach bei der Liebe nicht. Liebe
ich einen Menschen, so kann er tun und lassen was er will. Deswegen werde ich
ihn nicht weniger lieben. Passiert das, lasse ich mich davon beeinflussen, ob
er beispielsweise bestimmte Bedingungen nicht erfüllt, die mir vielleicht
wichtig sind und liebe ich den Menschen dadurch weniger, so ist es, denke ich,
keine echte, authentische Liebe. Ist die Liebe so, wie ich sie beschrieben
habe, dann kann sie eben auch qualvoll, schmerzhaft sein. Wenn man einen
Menschen liebt, der Dinge tut, die einem weh tun, aber man kann nicht aufhören
ihn zu lieben, weil die Lieben bedingungslos ist, dann ja, dann ist sie sehr
qualvoll. Aber auch diese ist echt, zumindest nach meiner Auffassung.
Vielleicht schafft man es aber auch, das als Fassade zu sehen. Viele Dinge die
getan oder gesagt werden um einen anderen Menschen zu verletzen sind meist gar nicht
direkt an ihn gerichtet. Sondern sind alte Emotionen, alte Wut, alte Angst,
alte Verzweiflung. Emotionen, aus alten Beziehungen, aus der Kindheit, aus der
Familie. Unverarbeitete Emotionen. Emotionen, die man normalerweise verdrängt,
unterdrückt, weil man nicht weiß wohin damit. Aber lernt man dann einen Menschen
kennen, den man liebt, bedingungslos und der dies erwidert, hat man vielleicht
keine Barriere, keine Angst mehr, diese Emotionen rauszulassen. Das traurige
daran ist nur, dass die absolut falsche Person damit konfrontiert wird. Die
Person, die mit diesen Emotionen doch rein gar nichts zu tun hat oder etwas
dafür kann. Dann kann es auch passieren, dass diese bedingungslose Liebe
ausgenutzt wird. Man denkt "Bei ihm/ihr kann ich es ja ruhig
rauslassen, er/sie sagt doch, dass die Liebe bedingungslos ist, also wird
er/sie auch nicht weg gehen, auch wenn ich es fälschlicherweise an ihm/ihr
rauslasse." Und damit hat man Recht. Man wird nicht gehen. Aber
meiner Meinung nach hat man ein Stück weit Verantwortung für den anderen
Menschen. Wenn man schon das Glück hat, und ich denke, das ist selten, dass man
den gleichen Menschen bedingungslos liebt, der das auch erwidert, sollte es
wichtig sein, darauf zu achten, den anderen nicht unter sich leiden zu lassen
oder ihm zumindest die Möglichkeit und die Skills zu geben, hinter diese Fassade
von alten Emotionen schauen zu können. Diese Emotionen überhaupt als Fassade
kenntlich zu machen. Und das ist harte Arbeit, sowohl für denjenigen, der die
Emotionen hat, als auch für den, der diese nicht persönlich nehmen, auf sich
beziehen soll, sondern sie als Fassade sehen soll. Aber gelingt dies, so denke
ich, dass die bedingungslose Liebe zwischen diesen beiden Menschen, das
atemberaubendste, schönste und harmonischste Erlebnis sein kann, welches die
beiden zusammen erleben können. Dann können sich die beiden nämlich trotz
Liebe, trotz Beziehung frei fühlen. Zusammen frei sein. Dann liebt man sich,
weil man den anderen wirklich sieht, sieht hinter der Fassade. Man muss keine
Angst mehr haben, dass der andere irgendwann weg sein wird. Man muss keine
Angst mehr haben, die Anforderungen irgendwann nicht mehr erfüllen zu können,
keine Angst davor, Fehler zu machen. Man kann sein, wer man ist, weil der
andere einen genau deswegen liebt. Und wie ich schon sagte, so lange man das nicht
ausnutzt und ein klein wenig auf den anderen achtet, dann ist Liebe nicht
qualvoll. Dann ist Liebe das schönste, was es auf der Welt gibt!


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